Exterieur

Die Funktion bestimmt die Form
Dr. Günter Postler

Formalistische Vorstellungen im Bereich des Exterieurs führen, wenn sie nicht in Verbindung mit funktionellen biologischen Zusammenhängen stehen, zu Fehlbeurteilungen und damit zu Nachteilen für das Individuum und die Art.

Funktionell ist eine leicht gesenkte Rückenlinie mit hervortretendem Kreuzbein und Schwanzansatz und leicht abfallendem Becken. Diese Rückenlinie gewährleistet ein Schwingen der Wirbelsäule beim Gehen und Laufen, also ein Auspendeln der Kräfte zwischen Vor- und Nachhand (Rinder sind Lauftiere), und durch ein funktionelles Becken, eine leichte Geburt.

Eine nicht funktionelle Rückenlinie kann zusätzlich über die Stellung der Hintergliedmaße eine falsche Belastung der Klaue bewirken. Diese Fehlbelastung führt zu einem unphysiologischen Klauenabrieb am Klauenballen, wodurch früher oder später Klauenprobleme auftreten. Die „unverzüchtete“ Kuh belastet am stärksten die Klauenwand und nutzt daher diesen Tragrand stärker ab als den Ballen. Die Klauenwand ist härter und wächst schneller nach, woraus eine physiologische Abnutzung resultiert. Diese Funktionalität wurde von der Evolution über Jahrmillionen heraus selektiert und führt bei Wildtieren zu einem perfekten Zusammenspiel zwischen Abnutzung und Nachwachsen (Wildrinder, Wildpferde, Hirsche, usw. brauchen keine Klauenpflege).

Das Exterieur sollte nur dort stärker berücksichtigt werden, wo ein biologisch positiver Zusammenhang zur Lebens- und Leistungsfähigkeit des Tieres besteht, unter Beachtung der Merkmalsbeziehungen und der natürlichen Funktionsfähigkeit.
 
 

Pinzgauer Kuh
als Beispiel für einen funktionellen
Masttyp (Mutterkuhhaltung)

 


Plix Julia I
mit 100.300 kg LL als Beispiel
für einen funktionellen Milchtyp